
Neuwied baut sein Radnetz aus: neue Fahrradstraße, Zweirichtungsradweg und Deichufer-Ausbau. Beim ADFC-Test könnt ihr bis 30.
Wer kennt es nicht: Man schwingt sich aufs Rad, will mal eben durch die Innenstadt zur Arbeit oder an den Rhein — und dann ist da plötzlich Kopfsteinpflaster, eine Umleitung oder einfach kein Weg mehr da. Genau an solchen Stellen setzt Neuwied gerade an. Die Stadt hat ihr Radnetz an mehreren Punkten spürbar verändert und baut es weiter aus. Und jetzt kommt der Teil, bei dem ihr mitreden könnt: Bis zum 30. November läuft der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, kurz ADFC. Wer regelmäßig in und um Neuwied unterwegs ist, kann dort bewerten, wie gut — oder eben nicht so gut — sich die Stadt mit dem Rad erleben lässt.
Das ist kein neues Ritual ohne Wirkung. Bei vergangenen Tests zeigte sich an einigen Stellen noch deutlicher Verbesserungsbedarf, wie die Stadt Neuwied selbst einräumt. Seitdem hat sich einiges getan, und das lohnt einen genaueren Blick.
Besonders sichtbar wird der Wandel im Zentrum. Seit Juni führt die Engerser Straße zwischen Wilhelm- und Pfarrstraße als Fahrradstraße durch die Innenstadt. Das klingt erstmal nach einer Formalie, ist aber laut Stadt Neuwied ein wichtiger Baustein für eine durchgängige Radverbindung durchs Zentrum — also genau das, was beim Radfahren in Städten oft fehlt: ein roter Faden, der nicht alle paar Meter abreißt.
Auch die erneuerte Schloßstraße hat sich verändert. Sie verfügt jetzt über einen Zweirichtungsradweg, der die Bedingungen für Radfahrende dort verbessert. Dazu kommt: Die Stadt hat ausgewählte Abschnitte der Fußgängerzone fürs Fahrrad geöffnet. Konkret sind das die Engerser Straße, die Langendorfer Straße zwischen Luisen- und Schloßstraße sowie die Friedrichstraße. Wer früher dort absteigen und schieben musste, kann jetzt weiterfahren.
Am Rhein steht der nächste große Schritt kurz vor dem Abschluss. Bei der Neugestaltung des Deichufers entsteht südlich der Rheinbrücke ein asphaltierter gemeinsamer Geh- und Radweg. Das bisherige Natursteinpflaster verschwindet auf diesem Abschnitt — eine Nachricht, über die sich vermutlich jeder freut, der schon mal mit dem Rennrad oder dem Kinderanhänger über Kopfsteinpflaster gerumpelt ist. Die offizielle Route führt künftig direkt am Wasser entlang, statt am Durchlass Kappelstraße hinter den Deich auf die Rheinstraße zu wechseln.
Das kennt ihr vielleicht: dieses Gefühl, wenn der Weg am Rhein auf einmal flüssig wird, ohne Umweg, ohne Schlaglöcher. Genau das soll hier entstehen.
Damit ist aber noch nicht Schluss. Im Haushalt 2026 hat die Stadt Mittel für drei weitere Vorhaben eingeplant. In Irlich soll die Verbindung im Bereich der Brunnenstraße und der Kurtrierer Straße besser werden. In Block will die Stadt eine Lücke schließen, die bisher für Frust sorgt: Der Radweg entlang des Mittelwegs endet aktuell einfach am Kreisverkehr und soll dort weitergeführt werden. Und in Niederbieber nimmt die Stadt die sogenannte Boesner Trasse ins Visier — eine ehemalige Eisenbahntrasse durchs Gewerbegebiet, die künftig als Radverbindung dienen soll.
Über diese drei Projekte hinaus prüft die Stadt derzeit außerdem eine mögliche Pendlerroute im Bereich Engers. Noch ist das kein fertiges Konzept, aber es zeigt: Neuwied denkt beim Radverkehr nicht nur in einzelnen Straßenabschnitten, sondern versucht, größere Lücken im Netz zu schließen.
All diese Maßnahmen sind die eine Seite. Die andere Seite ist die Frage, wie sich das im Alltag wirklich anfühlt. Genau das will der ADFC mit seinem Fahrradklima-Test herausfinden. Der Verband fragt unter anderem nach dem Zustand der Wege und danach, wie sicher sich Menschen im Straßenverkehr auf dem Rad fühlen. Die Online-Befragung dauert rund zehn Minuten, teilnehmen können Menschen ab zehn Jahren.
Neu in diesem Jahr: Erstmals gibt es eine eigene Umfrage für junge Menschen zwischen zehn und 20 Jahren. Wer also Kinder oder Jugendliche kennt, die täglich mit dem Rad zur Schule fahren, kann den Hinweis gern weitergeben — ihre Perspektive auf Schulwege und Kreuzungen ist eine andere als die von Erwachsenen im Berufsverkehr. Beide Befragungen sind online unter fkt.adfc.de/befragung erreichbar, und zwar noch bis zum 30. November.
Wer früh aufsteht, hat den Rhein für sich — und wer das Rad nimmt statt des Autos, sieht Neuwied noch mal mit anderen Augen. Die Fahrradstraße in der Engerser Straße, der neue Zweirichtungsradweg in der Schloßstraße, der kommende Asphaltweg am Deich: Das sind keine riesigen Umbrüche, aber genau die kleinen Verbesserungen, die den Unterschied machen, ob man morgens lieber aufs Rad steigt oder eben doch den Autoschlüssel nimmt.
Der Fahrradklima-Test ist die Gelegenheit, genau diese Erfahrung einzubringen — egal ob es ums tägliche Pendeln geht, um den Weg zum Bäcker oder um die Fahrt mit den Kindern zur Schule. Bis zum 30. November ist noch Zeit, zehn Minuten zu investieren und der Stadt zu sagen, wo es rund läuft und wo noch Luft nach oben ist.
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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