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Koblenz plant Neubau: Eine Synagoge als Zeichen für die Zukunft

Koblenz plant eine neue Synagoge an der Weißer Gasse: offen für alle, sicher für die Gemeinde. Baustart soll 2027 sein, Infos zu Plänen, Kosten und Hintergrund.

Redaktion
·
2. November 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 8 Stunden

Ein neuer Ort für jüdisches Leben in Koblenz

Wer durch die Koblenzer Altstadt läuft, kommt am Bürresheimer Hof vorbei, ohne vielleicht zu wissen, was dort einmal stand. Genau dort befand sich die ursprüngliche Synagoge der Stadt, bevor sie in der Pogromnacht 1938 verwüstet wurde und später bei einem Bombenangriff abbrannte. Seit Anfang der 1950er Jahre behilft sich die Jüdische Kultusgemeinde mit einer Notlösung: der einstigen jüdischen Einsegnungshalle auf dem jüdischen Friedhof, die seitdem als Gebetshaus dient. Aus der Übergangslösung wurde, wie ihr Vorsitzender Avadislav Avadiev es beschreibt, über die Jahrzehnte eine Dauerlösung — mit Platz für gerade einmal rund 70 Menschen.

Das soll sich jetzt ändern. Die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz zählt mittlerweile mehr als 900 Mitglieder, und der bisherige Raum reicht bei Weitem nicht mehr aus. An der Weißer Gasse soll deshalb eine neue Synagoge entstehen, in die künftig etwas mehr als 200 Menschen passen. Wie der SWR berichtet, ist nach bisherigen Plänen im März 2027 Baustart.

Offen für die Stadt, sicher für die Gemeinde

Der Architekt des Neubaus, Wolfgang Lorch, der bereits Synagogen in Bayreuth, Dresden und München gebaut hat, beschreibt die zentrale Herausforderung für Koblenz so: Der Ort soll offen sein für die Menschen und gleichzeitig sicher für die Gemeinde. Das Areal an der Weißer Gasse wird deshalb eingefriedet, weitere Sicherheitsmaßnahmen werden aus nachvollziehbaren Gründen nicht veröffentlicht.

Das Grundstück hat ein Gefälle. Nach Angaben des Architekten wird das Gelände deshalb zum Teil aufgeschüttet und an der Hangseite eine Mauer errichtet. Synagoge und Gemeindehaus entstehen relativ nah an der Straße. Künftig bekommt der Standort auch eine neue Adresse: Heinz Kahn Platz. Im Inneren der Synagoge soll ein zentrales Lesepult in der Raummitte stehen, die Thorarollen werden vorne aufbewahrt. Im angeschlossenen Gemeindehaus sind unter anderem ein Saal, zwei Küchen und mehrere Sozialräume geplant.

Verbindung zwischen Altem und Neuem

Besonders bemerkenswert ist, wie der Neubau die Geschichte der zerstörten Synagoge aufgreift. Von den beiden einstigen Eingangsportalen am Bürresheimer Hof werden Abgüsse erstellt, die am neuen Standort wieder auftauchen sollen. So verbindet sich, wie der Architekt es formuliert, Altes mit Neuem. Auch der Architrav der aktuellen Adresse soll laut Darstellung der Rhein-Zeitung über dem neuen Eingang Platz finden — mit der hebräischen Inschrift eines Prophetenwortes: Mein Gotteshaus ist ein Haus für alle Völker.

Für den Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde, Avadislav Avadiev, ist der Neubau mehr als ein Bauprojekt. Die Rhein-Zeitung zitiert ihn mit den Worten, das Gebäude sei ein Neuanfang und solle ein Zeichen und Symbol für jüdisches Leben nach der Schoah setzen. Architekt Lorch ergänzt, Synagogen seien grundsätzlich ein Zeichen.

Wer zahlt, und wie geht es weiter

Rund acht Millionen Euro soll der Neubau nach Angaben des Architekten kosten. Finanziert wird das Projekt von Bund, Land, der Stadt Koblenz, dem Zentralrat der Juden sowie der Jüdischen Gemeinde und einem Förderverein. Derzeit wartet die Jüdische Kultusgemeinde noch auf die Genehmigung ihres Bauantrags, bevor es konkret losgehen kann.

Der SWR ordnet das Projekt auch in einen größeren Zusammenhang ein: Seit dem Hamas-Überfall auf Israel 2023 ist der Antisemitismus in Deutschland sprunghaft angestiegen, Menschen jüdischen Glaubens fühlen sich so bedroht wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Dass eine neue Synagoge in Koblenz zugleich offen und geschützt sein muss, ist also kein Widerspruch, sondern Ausdruck der heutigen Realität.

Ein Platz, der an jemanden erinnert

Dass der neue Standort künftig Heinz Kahn Platz heißen wird, ist mehr als eine Adresse. Es ist ein Name, der bleibt, während rundherum etwas Neues entsteht. Wer demnächst an der Weißer Gasse vorbeikommt, sieht erst eine Baustelle — und in ein paar Jahren hoffentlich einen Ort, der zeigt, dass jüdisches Leben in Koblenz nicht nur erinnert, sondern weitergeht. Das kennt ihr vielleicht aus der eigenen Nachbarschaft: Manchmal braucht ein Zuhause einfach mehr Platz, um zu bleiben, was es ist.

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