
Der Bundestag hat die Frühstartrente beschlossen: 10 Euro monatlich fürs Kinderdepot ab sechs Jahren. Was Familien jetzt wissen müssen, kompakt erklärt.
Zehn Euro im Monat, vom Staat aufs Depot gelegt, ab dem sechsten Geburtstag bis zur Volljährigkeit. Klingt erstmal unspektakulär, oder? Ist es aber nicht. Der Bundestag hat die sogenannte Frühstartrente beschlossen, ein neues Instrument der Altersvorsorge, das genau an der Stelle ansetzt, wo bisher kaum jemand hinschaut: beim Kindergeburtstag, nicht beim ersten Gehaltszettel.
Wie die Tagesschau berichtet, hat der Finanzausschuss den entsprechenden Entwurf vorgelegt, der Bundestag hat ihn verabschiedet. Jetzt fehlt noch die Zustimmung des Bundesrats, dann kann das Gesetz zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Die staatliche Förderung von monatlich zehn Euro soll dabei rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 greifen. Für Familien in Koblenz und der Region heißt das: Wer ein Kind hat, das 2020 oder später geboren wurde und in Deutschland gemeldet ist, sollte das Thema im Blick behalten.
Eltern müssen für ihr Kind bei einem Anbieter ihrer Wahl, etwa einer Fondsgesellschaft, einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag abschließen. Laut Tagesschau läuft die Anspruchsprüfung digital über einen Datenabgleich mit dem Bundeszentralamt für Steuern, anhand der Steuer-Identifikationsnummer des Kindes. Die Auszahlung des staatlichen Zuschusses erfolgt dann vierteljährlich rückwirkend direkt auf den Vertrag.
Und wenn Eltern sich nicht kümmern? Dann passiert trotzdem etwas. Der Bund legt die zehn Euro monatlich in einem Sondervermögen an, das die Deutsche Bundesbank verwaltet. Nach einer Änderung durch den Finanzausschuss dürfen diese Mittel nur in breit gestreute globale Aktien oder Aktienfonds fließen, mit dem Ziel, langfristig ein möglichst hohes Altersvorsorgevermögen aufzubauen. Eine Rendite wird dabei nicht garantiert, Verluste gleicht der Bund nicht aus.
Das Modell ist nicht auf den staatlichen Zuschuss beschränkt. Eltern, Großeltern oder andere Förderer können den Betrag ergänzen, bis zu 6.840 Euro im Jahr oder 570 Euro im Monat pro Kind, wie die Tagesschau unter Berufung auf den Gesetzentwurf schreibt. Wer also ohnehin regelmäßig etwas für den Nachwuchs zurücklegen möchte, kann das künftig direkt in dieses geförderte Depot einzahlen.
Ab dem 18. Lebensjahr geht es dann weiter: Das Altersvorsorgedepot kann bis zum Renteneintritt durch eigene Einzahlungen bestückt werden, oder man wechselt in einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag. So soll ein fließender Übergang von der Frühstartrente in die reguläre private Altersvorsorge gelingen.
Das Bundesfinanzministerium hat eine Modellrechnung vorgelegt, die zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Bei einer angenommenen Rendite von sieben Prozent pro Jahr kämen aus den staatlichen Einzahlungen bis zum 18. Geburtstag rund 2.200 Euro zusammen. Lässt man das Geld bis zum 65. Lebensjahr weiter angelegt, ohne zusätzlich zu sparen, wären es laut Tagesschau etwa 53.000 Euro. Wichtig dabei: Das sind reine Modellannahmen, keine Garantie. Die Werte sind nominal und berücksichtigen weder Inflation noch die spätere Besteuerung.
Auch der Finanzratgeber der DKB rechnet mit ähnlichen Größenordnungen für die ersten Jahre: Bei zehn Euro monatlich und sieben Prozent Verzinsung kommen nach zwölf Jahren gut 2.240 Euro zusammen, davon rund 1.440 Euro Einzahlungen und etwa 800 Euro Kapitalerträge. Die Erträge sollen während der Ansparphase steuerfrei bleiben, erst die spätere Auszahlung im Alter unterliegt laut Tagesschau der nachgelagerten Besteuerung.
Wer jetzt hofft, mit 25 mal eben ans Ersparte zu kommen, wird enttäuscht. Die staatliche Förderung ist laut Tagesschau zweckgebunden für die Altersvorsorge. Das Kapital darf nicht beliehen, veräußert oder gepfändet werden, eine Auszahlung als Rente ist grundsätzlich erst ab dem 65. Lebensjahr vorgesehen.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Projekt kein Kleinod bleibt. Der Bund rechnet für 2027 mit Förderausgaben von 198 Millionen Euro. Da jedes Jahr ein weiterer Geburtsjahrgang dazukommt, steigen die Kosten bis 2030 auf voraussichtlich 411 Millionen Euro, berichtet die Tagesschau unter Berufung auf den Haushaltsausschuss des Bundestages. Insgesamt kalkuliert man für die Jahre 2027 bis 2030 mit rund 1,2 Milliarden Euro, Verwaltungskosten kommen noch oben drauf.
Das kennt ihr vielleicht: Man wartet auf die perfekte Regelung und verpasst dabei wertvolle Zeit. Die DKB weist in ihrem Ratgeber darauf hin, dass man nicht auf den offiziellen Start der Frühstartrente warten muss, um für den Nachwuchs etwas aufzubauen. Schon heute lassen sich über ein Juniordepot regelmäßig kleine Beträge investieren, ganz unabhängig von staatlichen Vorgaben. Der Zinseszinseffekt wirkt sich dabei umso stärker aus, je früher man beginnt. Wer früh anfängt, hat eben mehr vom Rhein der Zeit, sozusagen.
Klar ist aber auch: Viele Details der Frühstartrente sind laut DKB noch nicht final geklärt, etwa die genaue Struktur des Zusammenspiels zwischen privatwirtschaftlichen Anbietern und Staat oder die Frage, in welche konkreten Wertpapiere investiert werden darf. Das Gesetzgebungsverfahren braucht jetzt vor allem eins: die Zustimmung des Bundesrats.
Für Familien in der Region bedeutet das Ganze zunächst: abwarten und informieren. Wer ein Kind hat, das die Kriterien erfüllt, sollte in den kommenden Monaten verfolgen, wie sich das Verfahren weiterentwickelt und welcher Anbieter später für den Depot-Vertrag infrage kommt. Zehn Euro im Monat klingen nach wenig. Über zwölf Jahre und mit etwas Geduld kann daraus mehr werden, als man zunächst denkt.






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