
Ein bronzenes Redepult im Forum Confluentes erinnert dauerhaft an die Rittersturz-Konferenz 1948, die den Weg zur Bundesrepublik ebnete.
Manchmal reicht ein kleines Objekt, um eine große Geschichte wachzuhalten. Im Forum Confluentes steht jetzt dauerhaft ein bronzenes Redepult mit der Inschrift „Rittersturz-Konferenz 1948“. Wer vorbeigeht, stolpert förmlich über ein Stück Demokratiegeschichte — mitten in Koblenz, nicht irgendwo in einem Geschichtsbuch.
Der Landtag von Rheinland-Pfalz hat den Rittersturz als „Ort der rheinland-pfälzischen Demokratiegeschichte“ ausgezeichnet. Das klingt erstmal nach Verwaltungssprache, meint aber etwas sehr Konkretes: Hier, auf einem steilen Aussichtspunkt über dem Rhein, stand von 1925 bis 1974 das Hotel Rittersturz. Und genau dort trafen sich vom 8. bis 10. Juli 1948 die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder — und legten den Grundstein für Grundgesetz und Bundesrepublik.
Das Hotel selbst gibt es längst nicht mehr. Es wurde wegen mangelnder Standsicherheit 1974 abgerissen, nachdem es seit 1925 den Hang über dem Rhein geprägt hatte. Übrig blieb ein Denkmal am ursprünglichen Ort. Doch weil dieser historische Schauplatz eben nicht mehr existiert, hat die Stadt den Erinnerungsort nun dahin verlegt, wo die Menschen tatsächlich vorbeikommen: ins Forum Confluentes.
Bei der Feierstunde würdigte Landtagspräsident Matthias Lammert die Bedeutung der Konferenz mit klaren Worten: „Zugespitzt könnte man sagen: Ohne die Konferenz von Koblenz wäre es mit der Bundesrepublik vielleicht ganz anders gekommen“, erklärte er laut dem WW-Kurier während der Auszeichnung. Dabei war auch Mirko Drotschmann, bekannt als „MrWissen2go“, zugegen, wie die CDU Koblenz berichtet.
Übrigens: Der Name „Rittersturz“ geht auf eine Legende zurück, nach der sich ein Ritter aus Liebeskummer den Fels hinabgestürzt haben soll. Keine Verbindung zur Demokratiegeschichte, aber eine hübsche Randnotiz, die zeigt, wie viele Schichten so ein Ort haben kann.
Die Ehrung „Ort der rheinland-pfälzischen Demokratiegeschichte“ verleiht der Landtag nach Angaben des WW-Kurier nur zweimal im Jahr. Zuletzt wurden 2025 das Hambacher Schloss und die Fruchthalle in Kaiserslautern ausgezeichnet — zwei Orte, die für sich schon Symbolcharakter haben. Dass der Rittersturz jetzt in dieser Reihe steht, sagt etwas darüber, wie ernst man die Koblenzer Konferenz von 1948 historisch nimmt.
Zur Feierstunde war die CDU Koblenz mit einer größeren Delegation vertreten, wie der Kreisverband auf seiner Seite schreibt. Mit dabei waren unter anderem der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Philip Rünz, die stellvertretenden Kreisvorsitzenden Marius Jakob und Daniela Nowak, die Stadträte Fabian Freisberg und August Hollmann sowie der Vorsitzende der Schüler Union Koblenz, Henry Blomenkemper. Auch Oberbürgermeister David Langner war mit der Abordnung am neuen Redepult zu sehen.
Daniela Nowak brachte es auf den Punkt: „Viele Koblenzerinnen und Koblenzer wissen gar nicht, dass hier vor unserer Haustür die Bundesrepublik ihren Anfang genommen hat.“ Sie wünsche sich, dass künftig viele Schulklassen, Familien und Gäste vor dem Pult stehen bleiben und sich bewusst machen, wie wertvoll die Demokratie ist, so Nowak weiter.
Das kennt ihr vielleicht: Man geht hundertmal an einem Ort vorbei, ohne zu wissen, was dort einmal passiert ist. Jetzt, mit dem Pult im Forum Confluentes, wird das ein Stück schwerer. Wer durch Koblenz läuft, läuft eben nicht nur zwischen Rhein und Mosel, sondern mitten durch deutsche Geschichte — auch wenn das Hotel von damals längst Erinnerung ist. Vielleicht bleibt ja wirklich der eine oder die andere kurz stehen und liest die Inschrift. Genau dafür ist das Pult jetzt da.






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