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Tankrabatt: Beim Benzin bleibt ein Drittel auf der Strecke

Das Kartellamt rügt Mineralölkonzerne: Bei Benzin kommt der Tankrabatt nur zu 60 Prozent an, bei Diesel zu 90 Prozent. Die aktuellen Zahlen im Überblick.

Redaktion
·
4. November 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 5 Stunden

Das Kartellamt hat nachgerechnet

Vor ein paar Wochen haben wir an dieser Stelle schon mal hingeschaut, wie sich der Tankrabatt an der Zapfsäule bemerkbar macht — damals mit dem Fazit, dass vor allem Benzin günstiger wurde. Wer sich erinnern will, findet das noch einmal in unserem früheren Beitrag zum Thema. Jetzt gibt es Zahlen, die das Bild etwas gerade rücken: Das Bundeskartellamt hat in einer Sonderausgabe seiner Kraftstoff-News mitgeteilt, dass die im Oktober gesenkte Energiesteuer von 16,71 Cent pro Liter bislang nicht vollständig an Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben wurde. Bei Diesel liegt die Weitergabequote demnach bei rund 90 Prozent, bei Benzin aber nur bei rund 60 Prozent.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte dazu, die Kraftstoffpreise würden derzeit von verschiedenen, zum Teil gegenläufigen Faktoren beeinflusst. Das mache es schwierig, die Weitergabe der Steuersenkung sauber einzuschätzen. Die Behörde kündigte an, die Lage weiter genau zu beobachten und alle für ihre Verfahren relevanten Entwicklungen zu prüfen.

Benzin und Diesel laufen auseinander

Spannend ist, wie unterschiedlich sich die beiden Kraftstoffe entwickelt haben. Nach Angaben des Kartellamts lagen die Durchschnittspreise im Oktober bei 2,171 Euro pro Liter für E5, 2,115 Euro für E10 und 2,261 Euro für Diesel. Während die Dieselpreise im selben Monat um 1,6 Cent pro Liter stiegen, sanken die Benzinpreise um 4,5 Cent. Als Gründe nennt die Behörde eine schwache Benzinnachfrage bei gleichzeitiger Überproduktion sowie eine angespannte Lage auf den Dieselmärkten wegen der Kriege im Iran und in der Ukraine.

Auch regional gab es im Oktober deutliche Unterschiede: Bei E5 betrug die Spanne zwischen den Regionen bis zu 14,1 Cent, bei Diesel bis zu 9,5 Cent pro Liter. Im Westen Deutschlands waren die Preise höher als im Süden und Südwesten — das Kartellamt führt das unter anderem auf das Niedrigwasser am Rhein zurück. Wer öfter mal über die Moselbrücke fährt und dabei auf die Preistafeln schielt, kennt solche Schwankungen ja ohnehin.

E10 wieder unter zwei Euro

Der Preisrückgang bei Benzin hat sich auch im November fortgesetzt. Laut Zahlen des ADAC, über die die Deutsche Presse-Agentur berichtete, lag der bundesweite Durchschnittspreis für E10 an einem Mittwoch bei 1,979 Euro pro Liter. Bereits am Tag zuvor war E10 kurzzeitig auf 1,995 Euro gefallen. Der Tagesdurchschnitt lag an jenem Dienstag bei 2,041 Euro — 4,3 Cent unter dem Wert der Vorwoche und elf Cent unter dem Stand vom 13. Oktober. Der ADAC erklärte dazu, die Spritpreise entwickelten sich aktuell deutlich rückläufig, was vor allem am wesentlich geringeren Ölpreis liege.

Diesel kostete an jenem Dienstag im Schnitt 2,26 Euro pro Liter. Die Lücke zwischen beiden Kraftstoffen liegt damit bei fast 22 Cent — ungewöhnlich, denn üblicherweise ist Diesel wegen der niedrigeren Besteuerung günstiger als Benzin. Der Tankrabatt-Tracker des ifo-Instituts kommt für die Woche vom 28. Oktober bis 3. November bei Diesel auf eine Weitergabe von 9,7 Cent, bei Superbenzin dagegen auf 17,4 Cent.

Was die Branche dazu sagt

Die Mineralölkonzerne weisen Kritik an der Weitergabe zurück. Wie die tagesschau berichtet, teilte ein Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie schriftlich mit, die Markentankstellen hätten die Preise mit Beginn der Steuerentlastung am 1. Oktober um 17 Cent je Liter gesenkt und hielten dies durchweg aufrecht. Der Tankrabatt komme also vollständig dort an, wo er hingehöre: bei den Tankkunden. Als Gründe für die weiterhin hohen Spritpreise nennt der Verband die Entwicklungen in Nahost und den Ukraine-Krieg. Erst wenn es dort Friedenssignale gebe, sei mit einer durchgreifenden Entspannung bei den Preisen zu rechnen.

Auch der Tankstellen-Interessenverband sieht den Tankrabatt kritisch. Laut tagesschau sagte dessen Pressesprecher Herbert Rabl, der Rabatt habe zwar erreicht, was er erreichen sollte — an der Zapfsäule zahle man tatsächlich weniger. Dennoch mahnt er, man sei mit Tankrabatten aller Art nicht zufrieden, am Ende schluckten die Mineralölkonzerne noch etwas weg. Ohne einen Spritpreisdeckel, wie ihn die Bundesregierung für das kommende Jahr beschlossen hat, lasse sich kaum kontrollieren, wie viel am Ende tatsächlich bei den Bürgerinnen und Bürgern ankomme.

Zwischen Zahlen und Alltag

Für die einen ist das eine Frage von Prozentpunkten und Weitergabequoten, für die anderen schlicht eine Frage, ob am Monatsende noch was übrig bleibt. Wer regelmäßig zur Arbeit pendelt, merkt den Unterschied zwischen 60 und 90 Prozent Weitergabe ziemlich direkt im Portemonnaie. Die Zahlen des Kartellamts und des ifo-Instituts zeigen zumindest: Beim Diesel kommt inzwischen deutlich mehr an als noch vor einigen Wochen, beim Benzin bleibt eine Lücke, über die sich streiten lässt — Branche und Behörden sind sich da offenkundig nicht einig.

Was bleibt, ist der Blick auf die Preistafel beim nächsten Tankstopp. Vielleicht lohnt es sich, kurz zu vergleichen, bevor man einfährt — ein paar Cent Unterschied gibt es zwischen den Regionen schließlich noch immer.

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